‘s Häferl ist immer ein Wir!

Manch einer meint aber auch: ´s Häferl is a si imma wieda wandelnda Fleckerlteppich.  Und tatsächlich sprechen beide von dem Selben, der hier zitierte Wiener vielleicht ein wenig differenzierter.

Mittwoch, Samstag und Sonntag öffnet´s Häferl seine Pforten für alle Hungrigen und bietet jedem Menschen eine kostenlose warme Mahlzeit und beinahe immer auch einen süßen Nachtisch. ´s Häferl ist aber keine Ausspeis´; nein, darauf legen die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Häferls wert: wir speisen nicht aus, wir servieren. Diese ehrenamtlichen Mitarbeiter, die vielen Flecken, die erst dem Teppich Gestalt geben, haben so im letzten Jahr 10.734 Essen an die Frau und den Mann gebracht, also pro Öffnungstag 76,67 Teller Erdäpfelgulasch, unterschiedlich variierende Gemüseeintöpfe, Reisfleisch, Schinken- und Krautfleckerl, Haschee-Hörnchen, Pasta asciutta und was sonst noch auf der Speisetafel stand und die Köche in den Topf zauberten, serviert, nebenbei auch alkoholfreie Getränke, Tee, Kaffe, Cola und Orangensaft, die je fünfzig Cent kosten. Nur die Wasserkrüge müssen sich die Gäste selbst im Waschraum nachfüllen.

Joseph, zum Beispiel,  ist so ein Fleckerl. Seit vielen Jahren – ist das Jahrzehnt nicht heuer voll? – kommt er regelmäßig jeden zweiten Sonntag (einige Jahre sogar jeden!) und bringt, was Ingrid am Morgen gebacken hat und stets für alle reicht – und für einige Stunden sich selbst. Und weil ihm das anscheinend nicht genügt, sammelt er in seinem Bekanntenkreis, was dieser nicht mehr braucht, und immer wieder hört er zu und hilft und fährt und transportiert hin und her – ebenso zum Beispiel: das große Bücherregal im Vorraum unserer Kirche.

Über das „Drei-Tages-Geschäft“ hinaus passiert im Häferl noch einiges mehr, und es passiert immer dann, wenn sich einer findet, der die Ideen entdeckt und die Dinge in die Hand nimmt. Philip ist solch ein Fleckerl. Seit fünf Jahren gibt es eine „Freie Malgruppe“, seit drei Jahren leitet und belebt er diese, und eine erste Ausstellung außerhalb des Häferls findet heuer im Mai/Juni und im Rahmen der Bezirksfestwochen im Bezirksmuseum öffentlichen Raum. Dabei wollte er nur mit Katharina eine Semesterarbeit für ihr Soziologiestudium konzipieren – und ist immer noch zur Stelle, wenn es die Not erfordert und immer wieder darüber hinaus, fotografierend, kochend, malend und als Freund … Ähnliches ließe sich von dem anderen Philip und seinen Dokussionen und vielem mehr berichten oder von Franz und seinen Jour fixen und vielem mehr, und das Stück, das ohne sie fehlen würde, wäre ein ebenso großes und nicht wiederbringliches.

‘s Häferl is a Fleckerlteppich, und mit jedm Fleckerl, des si findt und mit jedm Fleckerl, des si valiert, vaändert es sei Gsicht – sagt der Wiener, der sich eingangs schon zitierte. So werden im Häferl mitunter aus Gästen ehrenamtliche Mitarbeiter, die Klos putzen, Erdäpfel schälen und Zwiebel schneiden, Teller waschen und Blumen gießen, Laub rechen und Schnee schaufeln und eben auch servieren und so einen Betrieb und eine Institution aufrecht halten und sich selbst wohl dadurch auch, weil der Mensch gebraucht werden und Sinnvolles tun will.

Wer mehr über ‘s Häferl und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter erfahren möchte, auch über jene, die hier nicht genannt werden konnten: Am 28. Mai bringen wir im Gotteshaus bei der langen Nacht der Kirchen das selbe zum Brodeln, da dampft es in Zusammenarbeit mit Pfarrer Michael Bicklhaupt aus den Töpfen, Pfannen und Kesseln bei der Inszenierung einer multimedialen Kochperformance für alle, die Hunger haben und alle, die satt machen wollen.

Schauen, hören, schnuppern Sie sich das an!