Texte der Schreibwerkstatt der Justizanstalt Favoriten

Denn man sieht nur die im Lichte …

Das Bild derer, die dem öffentlichen Leben vorübergehend entzogen sind, wird in den Medien oft genug von Nichtbetroffenen dargestellt. Die Insassen einer Strafanstalt einmal selbst zu Wort kommen zu lassen, war ein wichtiges und interessantes Unterfangen.

Bezeichnenderweise war es die Zeitung der Obdachlosen, der “Augustin”, der den Texten Obdach gewährte. Aber erst einmal mußten sie geschrieben werden. Mit viel Einsatz von Frau DSA Sabine Groß und viel Wohlwollen aller betroffenen Bediensteten, PraktikantInnen und nicht zuletzt der Anstaltsleitung kamen schließlich (fast) regelmäßige Schreibzusammenkünfte in der Anstalt zustande.

Worüber schreiben “entwöhnungsbedürftige Rechtsbrecher”? Über Probleme der Dritten Welt, Sonnenaufgänge, Zähne putzen und Duschen … – und erst nach langem Zureden und viel Selbstüberwindung waren sie gelegentlich bereit, auch einmal ihre Situation und ihre Erfahrungen zu thematisieren.

Als bei der Lesung in der Kleingasse die Lokalität bis auf den letzten Stehplatz gefüllt war, als in der Folge das österreichische Literaturhaus zwei Texte aus dem “Zehnerl” in das erste Buch der Wiener Obdachlosen aufgenommen hatte, als in- und ausländische Journalisten um Informationen baten, wurde die Breite des öffentlichen Interesses sichtbar. Und sogar Schreibprofis waren von der Qualität des einen oder anderen Textes überrascht.

Die Selbstüberwindung, die es kostet, über sich zu schreiben, auf Papier reflektierend mit der eigenen Situation umzugehen, hat sich offenbar gelohnt. Das Taschengeld, das man für´s Publizieren bekommt, und die öffentliche Anerkennung sind angenehme Nebeneffekte. Muß noch gesagt werden, daß es sehr schön wäre, wenn das projekt eine Fortsetzung fände?

Franz Blaha