Para-grrrr-Affen

Schau ich nach vorn, seh’ ich den Richter,

der Recht zu sprechen vor mir hockt,

und schweift mein Aug’, streift es Gesichter,

verschlossen, höhnisch, kalt, verstockt.

 

Den roten Augen wacher Nächte

ist nur ein trüber Blick zu eigen.

Doch kenn ich blindlings meine Rechte,

mein einz’ges Recht: das Recht, zu schweigen!

 

Bin ich am Wort und schweige nicht,

übt sich die Obrigkeit in Pflicht,

gerät in Wut und brüllt mich nieder,

droht mit Gesetz – ich setz’ mich wieder.

 

Dann wird die Weisheit neu gepachtet:

Ein Gutachter hat gutgeachtet.

Wär’ nicht ein Besserachter besser?

Herr Scrinzi liefert mich ans Messer.

 

Herr Scrinzi kündet, hoch in Form,

ich sei Verbrecher und abnorm,

eine Gefahr für brave Bürger,

ein polytox verseuchter Würger,

vor dem die Welt zu schützen sei

nach Absatz einundzwanzig-zwei.

 

Dreimal war ich vor dem Senat –

ein Bulle mit zerbrochnem Horn,

den man schon vorverurteilt hat,

der stampft und schnaubt, und dessen Zorn

in der Arena nur verpufft

in schwüler Paragraphenluft.

 

Von Richtertisch und Schöffenbank –

Justizia lacht laut und bitter –

hört man: der Mann ist geisteskrank,

er muß vier Jahre hinter Gitter.

 

Vier Jahre, meinen diese Affen,

vier Jahre sollen Ordnung schaffen,

soll ich durch Therapie und Spritzen

aus meinem Hirn „das Böse“ schwitzen.

 

So schafft man mich mit Staatsgewalt

in eine Sonderstrafanstalt.

Dort muß ich wenigstens, und das ist schön,

all diese Affen nicht mehr sehn!

 

H. J.