Einsames Sehnsuchtsgesicht

Ich stehe in meiner Einzelzelle vor dem zu klaren Spiegel und schaue einem Fremden ins Gesicht. Wer bist Du? Du, der mich aus angstvollen Augen anstarrt. Die Augen vom Schlaf noch leicht rot. So nackt und allein in diesem Spiegel. Warum?

Mein Anblick zwingt mich, die Augen zu schließen. Und plötzlich bin ich umgeben von Menschen, Geräuschen, Sachen und Musik. Der Spiegel ist gigantisch gewachsen und ich bin auch nicht mehr allein darin.

Neben mir an der Bar sitzen und stehen bunt zusammen Fremde, noch nie gesehene Gesichter. Die Soulmusik wird von der schwarzen Stimme Van Morrisson’s abgelöst und mein Mund wächst mir bis zu den Ohren vor Freude.

Meine Katze küßt mich auf den Nacken und läßt ihr Lachen an einer Perlenschnur herunter.

Langsam öffne ich meine Augen und sehe – ich kann ‘s gar nicht begreifen – ihre Augen in meinen lachen. Der Tag ist gerettet.

Wulf