Martin Brief Nr. 3

Ich habe Ziele vor Augen und versuche sie zu erreichen. Ihr wisst nicht, wie es ist, diesen Schmerz zu tragen und wie es ist, als Kind zu sehen, wie sich die Eltern schlagen!

Ich kenne noch das Gefühl, wo ich klein war und meine Mutter zu jeder Frage „nein“ sagte. Doch sie hat mich getröstet, mich geküsst und mir auch wieder Mut gemacht.

Ich träume oft von der Vergangenheit, denn auf ein Morgen hatte ich nicht Bock! Doch ich bin ehrlich, will niemanden da draußen sehn. Ich mache die Post auf und die Hoffnung fliegt aus meiner Welt.

Von wegen – alles ist gut – denn mein Leben ist so wie ein Stein, der fällt.

Mein Opa war mein Held – doch heute ist er alt und schwach. Früher haben wir den ganzen Tag im Wald verbracht. Ich habe es genossen – ich war glücklich – das war Leben pur.

Wenn mir früher jemand sagte „he, lass die Scheiße sein!“ dachte ich mir:

„Mein Gott, die reden ja nur!“

Jetzt bin ich älter und erkenne, ich habe nicht gemerkt wie schön das Leben sein kann. Die Scheiße ist nicht fair. Die Ziele, die man früher hatte, stellen sich als falsche Freunde dar, wenn man sie fast berühren kann.

Mein Leben ist eine Einbahnstrasse. Umdrehen geht nicht! Ich hoffe nur, es wird besser.

Ich brauche nicht den großen Traum

doch wenigstens das kleine Glück.

Siehst du meinen Blick, wie mich die Zeit zerbricht, wie mich nach und nach nur noch der alte Scheiß zerbricht. Denn blicke ich auf den Kuchen, frag ich mich: „ das ist mein Stück?“

Ich gebe dir die Schuld – Stiefvater, dass damals die Bullen da waren.

Lass doch einmal die Lügen sein!!! Dafür tritt das LKA keine Türen ein.

Wenn ich einen Menschen für mein Leben verantwortlich mache – dann dich –

Stiefvater!

Ich sah als kleiner Junge schon, als ich in die Schule ging, wie sie dich abführten. Dachte, das wäre cool! Doch was hatte ich davon? Du hast mir dauernd eingeredet, wie Scheiße die Polizei ist. Doch in Wahrheit warst du es, der Scheiße war!!!

Ich bin für sie nur wie Dreck und sie schließen mich weg. Und dann wird mir gesagt, ich handel nicht politisch korrekt. Wie gern würden sie mich in die Zelle bringen, weil in meiner Fangemeinde eh nur Kriminelle sind. Ihr seid nur unzufrieden, deswegen wollt ihr mir den Mund verbieten. Ich würd nur zu gern dem Alltag entkommen,  ich warte auf meine Chance.

Ich bin vorbestraft und tätowiert. Gut erkannt – hier schreibt der Junge aus dem Knast.

Falsches Lachen, denn sie hassen mich. Ich spür den krassen Neid. Ihr wollt das echte Leben, dann lasst mich aussprechen. Ich kann noch mehr, als nur Autotüren aufbrechen. Kannst du sehen, wie sich die Wolkendecke völlig schließt, mein ganzer Lebensstil wird mich noch in die Hölle ziehen.

Ihr könnt mir den Tod wünschen,

ich möchte einfach in den siebten Himmel,

doch ich find mich in den sieben Todsünden.

Ich habe diesen Weg ausgesucht, und mag der Weg auch wieder steinig werden: scheiß drauf, ich gehe die Strecke auch zu Fuß. Scheiß egal, wieviel Geld ich schon verdient hab, ich bleib für immer dieser Junge, der gedealt hat.

Sie versuchen mir die Art zu Leben auszureden. Doch dabei haben sie mich vor langer Zeit schon aufgegeben.