Martin Brief Nr. 2

Ich lernte früh, was es heißt Verantwortung zu übernehmen. Ich wurde nie gefragt, ob ich was will, denn es musste einfach so sein.

Ich war ein schwerer Junge. Machte in den frühen Jahren schon das, was ich wollte. So etwas wie Regeln gab es nicht in meinem Leben. Mit neun Jahren bin ich einbrechen gegangen und das zog sich so die Jahre dahin. Nicht einmal das Jugendamt konnte mich auf die richtige Bahn bringen. Sie steckten mich in ein Heim für schwer erziehbare.

Doch das ging nicht lange gut, denn die erste Chance zum Abhauen nutzte ich und ging wieder einbrechen. Denn von irgendwo brauchte ich das Geld.

Es kam der Tag, wo sie mich das erste Mal mit Rauschgift verhaftet haben.

10 g Cannabis. Doch es war mir egal. Ich gab einen Scheiß auf die Strafe und machte weiter wie bisher.

Jeden Tag in der Schule zugedröhnt bekam ich von meinem Leben nichts mehr mit. Außer dass mir Gott und die Welt egal waren.

Meine Mutter weinte heimlich in der Nacht. Konnte nicht schlafen, da ich wieder einmal um die Häuser gezogen bin – auf Alkohol nach Hause gekommen bin.

Irgendwann sah sie mich das erste Mal auf Heroin. Die Freude war nicht sehr groß – sie redete und redete. Doch ich dachte mir nur – was will die Alte mir da erzählen? Und wenn ihr jetzt denkt, das wäre schlimm, dann wißt ihr nicht, was schlimm ist!!!!

Ich lernte den falschen Freundeskreis kennen. Die ersten Schlägereien kamen. Jedes Wochenende konnte mich meine Mutter von der Polizei abholen. Ich stieg von den Drogen auf Alkohol um und besoff mich fast jeden Tag bis zum Umfallen.

Der Richter hatte schon darauf gewartet, dass ich mit der Schule fertig bin und dass ich wieder einmal vor Gericht stehe. Das ließ nicht lange auf sich warten und die Scheiße brachte natürlich auch das erste Urteil mit sich – ein Monat unbedingt – das heißt soviel wie ein Monat Gefängnis!

Der Tag meiner Entlassung kam. Doch meine Einstellung blieb und wie es das Schicksal wollte, bin ich gleich wieder vor Gericht gestanden.

In der Zwischenzeit kam meine Tochter Selina auf die Welt. Doch ich hatte am Anfang nichts für sie übrig –  um ehrlich zu sein – es war mir egal.

Es folgten 6 Monate Jugendstrafanstalt, doch ich nahm das mit einem Lachen entgegen. Dachte, das ist schnell um.

Doch noch im Gefängnis folgte die nächsten 12 Monate Haftstrafe, wegen einer dummen Schlägerei.

Ich bereue es auf einer Art, dachte ich. Doch dieses Denken hielt nicht lange an.

3 Monate nach meiner Entlassung wurde ich wegen 6 dag Heroin und 5 dag Kokain verhaftet und ihr könnt mir glauben, das Lachen verging mir aber ganz schnell.

Und so folgten die nächsten Monate Gefängnis.

Doch es hatte sich eines verändert und zwar: ich wurde nach meiner Entlassung brav und ging für ein Jahr arbeiten.

Doch das Glück verließ mich schon wieder nach den besagten 12 Monaten. Wie es auch sein sollte baute ich die nächste Scheiße, denn ich fing an wieder zu dealen mit Drogen. Wäre es Gras gewesen, wäre es nicht so schlimm. Doch ich hatte für Gras nichts übrig, sondern fing mit den Ext-Tabletten, Kokaine und Heroin an zu dealen.

Wenn man nach einem Wolchenende 2 bis 3 tausend Euro in der Tasche hat, dann glaube ich, hört niemand freiwillig damit auf.

Es ging ja auch ein paar Monate gut. Wenn ich nicht wieder in den Kokainerausch gefallen wäre, dann wäre es vielleicht noch länger gut gegangen.

Nach 3 Monaten dachte ich mir: na, gut. Ich gehe wieder einmal fort, kann doch nicht schaden. Doch hätte ich nicht schon 2 Tage durchgemacht und einiges an Kokaine genommen, dann hätte ich sicher noch klare Gedanken gehabt!

All meine Freunde sagten noch zu mir: „Lass das Messer da!“ Aber ich habe wieder einmal nur auf mich gehört und was die anderen sagen ist doch eh nur Scheiße!

Wir  machten uns auf den Weg in die Innenstadt, was auch ein Fehler war. Kaum wr ich 10 Minuten in der Stadt, machte sich der Kokainerausch bemerkbar. Es gab eine riesige Diskussion. Wir waren 3 Leute. Doch die anderen waren 15 Leute. Es blieb nicht lange beim Reden und ich habe einen Schlag ins Gesicht bekommen. Was nicht gerade nett war!  Ich hatte keine Zeit mehr zum Nachdenken, sondern musste handeln! Mein Pech war es, dass ich das Messer mithatte. Ich stach zu! Leider habe ich ihn schwer verletzt.

Wenn ich so denke tut mir das auch sehr leid!

Natürlich kam auch die Polizei. Doch ich fing an zu rennen. Weit kam ich nicht. Nach ein paar Metern hatten sie mich schon und es ging wieder einmal auf die Polizei.

Nach etwa 14 Stunden sagten sie, ich darf nach Hause gehen. Doch zu früh gefreut!

Es kam der 24. November 2007. Es klopfte an meiner Tür. Ich dachte mir nichts dabei. Doch hätte ich sie lieber zugelassen!! Ich öffnete die Tür und kaum war sie offen, sah ich schon 20 Leute vom LKA (Landeskriminalamt), mit der Waffe auf mich gerichtet. Er sagte nur: Herr…….Wir haben einen Haftbefehl gegen sie. Bitte kommen sie mit.

Ich leistete natürlich seinen Anweisungen Folge und nahm es am Anfang gelassen. Nach etwa 72 Stunden kam ich zum Haftrichter und er sagte: Nun sie bleiben bis zur Hauptverhandlung hier in Haft.

3 Monate später folgte die Verhandlung. Ich wurde zu 19 Monaten Haft verurteilt.

Es kam der 24. Juni 2009. Meine Entlassung.

Seitdem bin ich brav. Habe in der Zeit, wo ich im Gefängnis war, ein paar Therapien gemacht und bin seitdem straffrei.

Zur Zeit besuche ich eine Bfi Maßnahme vom AMS, bei der ich einen Lehrabschluss machen kann und hoffe, dass es so bleibt!!!!!